Wer immer noch mit alten Digitalsynthesizern zu tun hat, kennt das Problem: Man hat nie genug Modulationsquellen zur Verfügung. Knöpfe waren damals einfach nicht mehr in, und das Mod-Wheel ist auch nicht immer der Weisheit letzter Schluß.
Wenn man jedoch sowieso am PC arbeitet (z.B. für Sequenzeraufnahmen), würde es sich anbieten, wenn man die handlichen Eingabegeräte des Computers (Maus und Joystick) auch für Modulationen nutzen und die dann auch im Sequenzer aufzeichnen könnte. Mit ein paar einfach handzuhabenden Programmen geht das auch. Diese habe ich in ein gemeinsames ZIP-Archiv verpackt (235 K, bitte beachten Sie sowohl die Anleitungen als auch die Lizenzbestimmungen!)
Zunächst einmal muss man einen virtuellen MIDI-Eingang schaffen, denn Maus- und Joystick-Daten gelangen zwar sowieso in den Rechner, Sequenzer "verstehen" aber nunmal nur "MIDI" und sonst nichts. Man braucht also ein Programm, das ein oder mehrere MIDI-Interfaces intern simuliert. Hier hat sich inzwischen Hubi's MIDI Loopback bewährt: Es schafft nicht nur bis zu vier dieser Eingänge, sondern kann sie auch noch beliebig verdrahten (auch mit physikalischen MIDI-Geräten) und routen. Zusätzlich dient es als Multi-MIDI-Treiber, so dass mehrere MIDI-Programme gleichzeitig laufen und darauf zugreifen können, und bietet Filterung und Transformation von MIDI-Daten. Mitgeliefert werden außerdem ein MIDI-Monitor, ein SysEx-Output und ein virtuelles MIDI-Kabel, mit dem man auch ohne laufenden Sequenzer "mal eben" einen Racksynth über das Masterkeyboard ansteuern kann.
Folgen Sie zur Installation des Loopback Device der Anleitung im ZIP-Archiv und wählen zunächst nur zwei zusätzliche Interfaces aus. Diese werden mit LB1 und LB2 betitelt und stehen nun jeder MIDI-Anwendung zur Verfügung.
Nun kommen zusätzliche Programme ins Spiel, die ein Eingabegerät auf ein MIDI-Interface routen können. Hierzu habe ich Freeware-Applikationen ausgesucht, die sowohl Analog-Joysticks, als auch die Maus als MIDI-Controller zulassen.
Hubi's MIDI Joystick bietet eine Oberfläche für Joysticks, bei der für X- und Y-Achse, sowie zwei Feuerknöpfe verschiedene zu erzeugende MIDI-Controller getrennt eingestellt werden können. Ist das erledigt, wählt man als MIDI-Output einfach LB1 und kann auf diesem Interface Controller-Daten erzeugen und im Sequenzer aufzeichnen (sofern die Aufnahmespur auch LB1 als Eingang eingestellt hat). Bevor es losgehen kann, muss man das Routing allerdings erst durch Anwahl des Menüpunkts "Start" aktivieren. Das Programm ist der Einfachheit halber zu den restlichen MIDI Tools ins Archiv gewandert. Alternativ habe ich Vellocets VMIDIJoY beigefügt. Es ist wesentlich flexibler als Hubis Lösung (so werden z.B. auch zwei Joysticks und mehr Feuerknöpfe unterstützt), dafür aber auch etwas unübersichtlicher. Da sollte der Geschmack entscheiden. Für beide Programme gilt: Ein Joystick muss an den entsprechenden Port angeschlossen und im System natürlich auch korrekt angemeldet sein. Überprüfen kann man das in der Systemsteuerung von Windows 95. Achten Sie auch darauf, dass der Joystick-Port (z.B. Ihrer Soundkarte) auch wirklich funktioniert. Viele Nicht-Spieler schalten den Treiber ab, um Ressourcen zu sparen...
ccMouse hingegen offeriert ein nett gemachtes Panel für Mausakrobaten. Mit einem Rechtsklick kann man im Setup wieder das anzusprechende Interface und den MIDI-Kanal wählen (diesmal am besten LB2) und darf dann in verschiedenen Sektionen des Panels herumrühren: Es gibt ein Pitch Bend Feld, eines für das Modulations-"Rad" bzw. ein frei definierbares, sowie ein Vektor-Feld für X-/Y-Bewegungen. Hinzu kommen noch ein paar Sonderfunktionen, die dem XG-Standard entsprechen und Pan, Reverb, Chorus etc. regeln.
Ist alles installiert, können Sie gleich mal testen, ob es auch funktioniert: Starten Sie den Sequenzer, erzeugen Sie eine neue Spur und stellen Sie dafür den gewünschten MIDI-Port ein (LB1 oder LB2). Starten Sie nun das gewünschte Routing-Programm, z.B. ccMouse. Stellen Sie dort den vorher gewählten MIDI-Port ein, starten Sie die Sequenzeraufnahme und spielen gleichzeitig mit dem Controller. Der Sequenzer sollte Ihre Bewegungen nun aufzeichnen.
Noch eine Warnung: Windows 95 ist auf maximal 11 MIDI-Ports beschränkt. Wer Multi-MIDI-Interfaces und eine Soundkarte im PC hat, kann da schon an die Grenzen kommen und wundert sich über den Zusammenbruch des MIDI-Systems, denn auch die diversen Soundkarten-Synthesizer werden als MIDI-Interfaces gehandhabt! So verbrät z.B. allein eine Soundblaster AWE64 Gold vier der 11 Ports: MIDI an sich, EMU-Synthesizer, FM-Synthesizer und WaveSynth. Ein zusätzliches Vierfach-Interface (z.B. von EES oder Midiman) bringt den Rechner schon der Grenze nahe. Nicht benötigte Treiber sollte man also unbedingt abschalten (WaveSynth und FM-Synth der AWE sind meist überflüssig) und Hubi's Loopback auf zwei Eingänge beschränken.