Rezension
Ewilution
Diese Rezension wurde von Matthias Spittler verfasst
am 15. Januar 2003
und stammt aus dem MEMI-Archiv (1994–2005).
... dann reiße ich fröhlich den Umschlag auf, freue mich auf Musik, Sessel und Rotwein doch was entdecke ich da? Ein nicht zu übersehender Aufdruck eines namentaften Instrumenten-Herstellers, mitten auf dem Booklet! Ok, Sessel und Rotwein fallen aus, es handelt sich offensichtlich um eine Sample CD.
Nach näherem Betrachten und dem Wagnis den Silberling in einen gewöhnlichen CD-Player zu befördern dann die Gewissheit: Audio CD. Also doch Sessel und Rotwein. Seltsam denke ich: warum schmückt jemand das Booklet zu seinen musikalischen Werken mit einem Instrument, samt Herstellerlogo?
Die Antwort ist gar nicht so schwer.
Es handelt sich um ein eher außergewöhnliches Instrument, genauer gesagt um ein ewi und die CD "Ewilution" ist Rainer Bergers Hommage an eben jenes. Was wir uns unter einem Ewi vorzustellen haben sagt uns der gute Rainer aber am besten selbst: "das electric wind instrument (ewi) verbindet elektronische Klangerzeugung mit der Spielweise eines Holzblasinstrumentes". Danke Rainer, ein Blaswandler also :-)
Jetzt aber genug der Einleitung.
Auf Ewilution finden wir 14 Tracks die doch sehr an die Welt der Filmscores erinnern, was nicht zuletzt daran liegt dass ein Thema, eine Melodie nicht zwangläufig mit einem Song abgehakt wird. Der Mitklatsch-Effekt entfällt, die Tracks kommen fast durch die Bank polyrhythmisch daher, was mir in diesem Fall durchaus zusagt. Bei solch ruhiger, von ambienten Flächen getragener Musik neigt man schnell dazu die Genreschublade aufzumachen: seichter ambient, minimalistisch mit schweren "70er touch". Das wäre diesmal aber nicht gerecht, denn auch wenn "Ewilution" genau die beschriebenen "Bausteine" beherbergt, so geht Rainer Berger doch einen (kleinen) Schritt weiter: hier eine gedämpfte, effektbeladene Drumloop, da ein wenig Saxophon, kurze aber durchaus gelungene Reisen in die Welt des Jazz und der Filmmusiken und Verweise auf den Neoklassizismus.
Bergers Kunst ist es eingängige Melodien und Harmonien in ein, für das weite Genre der ambienten Musik, geschicktes, teilweise ungewöhnliches Arrangement zu betten, in dem auch atonale Ereignisse ihre Berechtigung finden. Er verzichtet auf Effektkaskaden, beschränkt sich auf Delay, große Hallräume und Flanger/Phaser.
Jeder Ton, jedes Ereignis hat seinen Platz, nichts steht in Konkurrenz zueinander.
Ewilution ist eine CD die keinem wehtut aber schöne Stunden bereitet: das Genre der Fahrstuhlmusik wird hier neu definiert - im positiven Sinne. Ab und an vermisse ich ein wenig mehr Experimentierfreude, gerade im Bezug auf den Einsatz von Geräuschen. Alles in allem eine ruhige, interessante CD für die verbleibenden Winterabende vor dem heimischen Kamin.
Anspieltipps: Track 2 ("buzz"), Track 3 ("cake and kitch"), Track 7 ("dining elefants"), Track 10 ("diamond trees")
Nach näherem Betrachten und dem Wagnis den Silberling in einen gewöhnlichen CD-Player zu befördern dann die Gewissheit: Audio CD. Also doch Sessel und Rotwein. Seltsam denke ich: warum schmückt jemand das Booklet zu seinen musikalischen Werken mit einem Instrument, samt Herstellerlogo?
Die Antwort ist gar nicht so schwer.
Es handelt sich um ein eher außergewöhnliches Instrument, genauer gesagt um ein ewi und die CD "Ewilution" ist Rainer Bergers Hommage an eben jenes. Was wir uns unter einem Ewi vorzustellen haben sagt uns der gute Rainer aber am besten selbst: "das electric wind instrument (ewi) verbindet elektronische Klangerzeugung mit der Spielweise eines Holzblasinstrumentes". Danke Rainer, ein Blaswandler also :-)
Jetzt aber genug der Einleitung.
Auf Ewilution finden wir 14 Tracks die doch sehr an die Welt der Filmscores erinnern, was nicht zuletzt daran liegt dass ein Thema, eine Melodie nicht zwangläufig mit einem Song abgehakt wird. Der Mitklatsch-Effekt entfällt, die Tracks kommen fast durch die Bank polyrhythmisch daher, was mir in diesem Fall durchaus zusagt. Bei solch ruhiger, von ambienten Flächen getragener Musik neigt man schnell dazu die Genreschublade aufzumachen: seichter ambient, minimalistisch mit schweren "70er touch". Das wäre diesmal aber nicht gerecht, denn auch wenn "Ewilution" genau die beschriebenen "Bausteine" beherbergt, so geht Rainer Berger doch einen (kleinen) Schritt weiter: hier eine gedämpfte, effektbeladene Drumloop, da ein wenig Saxophon, kurze aber durchaus gelungene Reisen in die Welt des Jazz und der Filmmusiken und Verweise auf den Neoklassizismus.
Bergers Kunst ist es eingängige Melodien und Harmonien in ein, für das weite Genre der ambienten Musik, geschicktes, teilweise ungewöhnliches Arrangement zu betten, in dem auch atonale Ereignisse ihre Berechtigung finden. Er verzichtet auf Effektkaskaden, beschränkt sich auf Delay, große Hallräume und Flanger/Phaser.
Jeder Ton, jedes Ereignis hat seinen Platz, nichts steht in Konkurrenz zueinander.
Ewilution ist eine CD die keinem wehtut aber schöne Stunden bereitet: das Genre der Fahrstuhlmusik wird hier neu definiert - im positiven Sinne. Ab und an vermisse ich ein wenig mehr Experimentierfreude, gerade im Bezug auf den Einsatz von Geräuschen. Alles in allem eine ruhige, interessante CD für die verbleibenden Winterabende vor dem heimischen Kamin.
Anspieltipps: Track 2 ("buzz"), Track 3 ("cake and kitch"), Track 7 ("dining elefants"), Track 10 ("diamond trees")