Rezension

Contemporary Works 2

Klaus Schulze

2002 5CD 24 Tracks
★★★½☆ 6.6/10 (14 Stimmen)
Diese Rezension wurde von Wilhelm Lücken verfasst am 11. Oktober 2002 und stammt aus dem MEMI-Archiv (1994–2005).

Der Meister kommt zurück.
Rechtzeitig für die langen Winterabende, um bei gedämpftem Licht in entspannter Atmosphäre die (vielleicht neue) HiFi-Anlage zu testen, erscheint die Fortsetzung der grandiosen ,Contemporary Works‘ von Klaus Schulze. Was soll man hier mit Superlativen strotzen, die Wahrheit liegt im CD-Player:Geniale, zeitgemäße elektronische Musik, versammelt in einer 5er-CD-Box, unterstützt von einer Musiker-Crew, die Schulzes moll-lastige Kompositionen lebendig klingen lässt. Wolfgang Tiebold, Cello; Thomas Kagermann, Violine, Flöte; Tobias Becker, Oboe; Mickes, Gitarre; Julia Messenger & Audrey Motaung, Vocals; Tom Dams, Groove-Loops.

Eintauchen in eine andere Welt.
Gleich im ersten (65minütigen) Track „The Rhodes Elegy“ hypnotisiert Klaus Schulze den Hörer auf seine typische Art, zieht ihn in seinen Bann, macht ihn zum widerstandslosen Begleiter in fremde Sphären. Allerdings weiß der erfahrene Schulze-Kenner worauf er sich einlässt, denn die endlosen Sequenzerteppiche sind schlicht und vorhersehbar. Aber Schulze wäre nicht der Sequenzer-Guru, wenn er es nicht verstehen würde die Schlichtheit in fesselnde Magie zu verwandeln.

Weitere Anspieltipps.
Bass ... Bass ... megabassige, verzerrte, widerhallende Vocoder-Stimmen erzählen eine deutsche Prosa und leiten somit den 23minütigen Geniestreich „Die Prophezeiung erfüllt sich“ ein. Aus einem ruhigen, düsteren Klangbad entwickelt sich ein steigernder Rhythmus, immer pulsierender, mit knackigen Drums und zischenden Cymbals, man glaubt einen echten Schlagzeuger zu hören... alles virtuell, rasanter Groove. Allein dieser Track rechtfertigt so manchem Fan den Erwerb der gesamten CD-Box.
Goa- oder Space-Music-Fans kommen beim 28minütigen, bombastischen „Back to the Future“ voll auf ihre Kosten.
Wer einmal in den Sog des Tracks „Follow me down, follow me down“ geraten ist, wird bestätigen, dass der neue Schulze um Lichtjahre besser ist, als seine früheren Werke.
Verheißungsvolle Titel wie „The Wisdom of the Leaves“, „In the Dimness of Light“ oder „I just have to sing my Hymns“ ähneln sich zwar in der Melodie, gefallen aber durch unverschämt sympathischem Rhythmus.

Bravo Klaus Schulze!
Im Vergleich zu den Contemporary Works Teil 1 wirkt der zweite Teil homogener, kompakter, allerdings düster und tiefer wie auch im beiliegenden Booklet von Science-Fiction-Comic-Zeichner Matt Howarth treffend dargestellt: Ein Trip in die endlosen Tiefen des Unterbewusstseins unseres Helden.