Rezension
Charm Hostel
Bei gelegentlichen Telefonaten mit einem Herrn aus Bonn, seines Zeichens Electrodrompteur bei einer Zeitschrift für Tasteninstrumente, versucht dieser immer wieder, mich von dem Segen der neuen Elektronischen Musik zu überzeugen. Nun muß ich gestehen, daß ich eine ziemliche Abneigung gegen Techno-Gestampfe und das meiste, was sich daraus entwickelt hat, empfinde und deshalb gegenüber dieser Musik nicht soo wahnsinnig aufgeschlossen bin.Dennoch: Man will sich ja nicht vorhalten lassen, man würde es nicht wenigstens mal versuchen. Also durfte des Electrodrompteurs jüngste Empfehlung, Charm Hostel von Justin Berkovi, einige Runden in meinem CD-Player drehen.
Und siehe da: Der Anfang der CD ist sogar erträglich. Ja, man könnte sogar sagen, der zweite Titel, Brighton to Victoria, hat was. Kein alles zerstörender Bassdrum, sondern ein von der (etwas düsteren) Atmosphäre her gut aufgebauter Titel. Beim dritten Titel, Necropolis, kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, Justin Berkovi hätte vor seiner Komposition "Stomp" besucht - jenes Musical, bei dem die Musik aus rumhämmern auf Blechmülltonnen und ähnlichen Instrumenten besteht. Aber dennoch: Auch diesem Titel sei zugestanden, daß er so ganz schlecht nicht ist.
Aber dann geht's los: Sollte in irgendeinem der folgende Tracks noch ein guter Ansatz vorhanden sein - ein einfallsloses Post-Techno-Gestampfe macht alles gnadenlos nieder. Man mag Justin Berkovi zu Gute halten, daß er es nicht zu monoton einsetzt, fahrig und nervös macht es mich trotzdem. So habe ich viele der folgenden Titel denn auch nur noch im entnervt im Schnelldurchlauf gehört.
Eine Atempause gibt's noch bei Titel Nr. 12, Ministry of Fear. Hätte man den an den Anfang gesetzt, wären wenigstens die ersten 4 Titel durchhörbar gewesen. Aber diese Titel sind auch nicht so gut, dass man wegen Ihnen unbedingt die CD haben müsste.
Liebe Schwingi-Normalfans: Entspannt Euch und erfreut Euch lieber an der traditionellen Elektronischen Musik. Auch nicht alles, was hier veröffentlicht wird, ist Gold. Aber: Egal, wann wer was von dem geklaut oder kopiert haben soll, die hundertste angebliche TD- oder KS-Kopie ist immer noch besser als dieses Gewummere.
Ob es in der Elektronischen Musik ein Leben nach TD gibt? Man muß Zweifel daran haben...