Rezension

Sonar Experience

Jörg Schaaf

1999 CD 13 Tracks 52:27
Diese Rezension wurde von Markus Huber verfasst am 29. Dezember 1999 und stammt aus dem MEMI-Archiv (1994–2005).
Gute Sounds sind da, um gehört zu werden. Die Frage ist einerseits "Wie oft?" und andererseits "Was sind überhaupt gute Sounds?" Offensichtlich ist es genau diese Frage, deren Beantwortung Klaus Schulze bei den gemeinsamen Projekten mit Jörg Schaaf übernimmt. (Klaus Schulze+Jörg Schaaf) - Klaus Schulze = Jörg Schaaf. Die Rechnung geht auf. Tja, und dann ist da noch Quasimidi: Sind die verwendeten Sounds ein Kaleidoskop dieser deutschen Synthesizerschmiede? Der Eindruck entsteht jedenfalls - denn Presetsoundtypisch reicht das Angebot von wenigen Hochgenüßen über viele alte Bekannte hinweg bis zum Wühltisch. Interessant ist, daß die guten Sounds fast durchweg viel lauter aufgenommen bzw. gespielt werden als der Rest.

Die meisten der 13 Stücke beginnen reißerisch, ziehen den Spannungsbogen (wenn denn einer vorhanden ist) schlagartig an und verharren darin nach ca. einer Minute. Spannung ohne Entspannung funktioniert aber nicht. So verpuffen Melodien, Sequenzerlinien, Rhythmus und die bereits angesprochenen Hochgenüße täuschen auf Dauer nicht über die mangelnde Emotion hinweg. Anspieltip: ein beliebiges Stück (Ausnahme folgt!) - aber aufpassen, die ersten Minuten können täuschen.

Nun gibt es da allerdings noch das viel zu kurze Ausnahmestück Nr. 11 mit dem Titel "laydown sonics". Da fehlen plötzlich die Wühltischsounds, da wird die Spannung langsam auf- und wieder abgebaut, da verpufft nichts und dann taucht da auch noch die Emotion aus der Versenkung auf. Hier gelingt es Schaaf, sich von seinen Zwängen zu befreien und uns vorzüglichste 6:56 Minuten Space-Music zu servieren. Das nicht genug, zeigt er auch noch ansatzweise, was er den amerikanischen Kollegen aus der Space-Music-Zunft voraushaben kann: Sounds die nach Strom riechen.

Und dann kommt im Anschluß gleich das lästige Stück Nr. 12, der "wave transmitter". Wer hat sich nur diese Reihenfolge ausgedacht? Vermutlich niemand.

Wer einen programmierbaren CD-Player hat, kann sich die Mühe machen und die Longplay-CD, deren Titel ich musikalisch nicht nachvollziehen kann, zu einer guten Maxi-CD zusammenschrumpfen. Jörg Schaaf benötigt unbedingt einen Produzenten, der diese Arbeit für ihn und für uns erledigt. Hier mein Vorschlag für die Maxi-CD: 2,4,11