Rezension

Behind the Tears

Detlef Keller

1999 CD 8 Tracks 77:52
★★★☆☆ 6.3/10 (3 Stimmen)
Diese Rezension wurde von Frank Korf verfasst am 16. Oktober 1999 und stammt aus dem MEMI-Archiv (1994–2005).

Es war einmal vor langer, langer Zeit. Es war zu der Zeit, als Detlef Kellers Solo-CD Ways to the Rainbow nocht nicht allzu lange auf dem Markt war, als das Gerücht aufkam, die Folgescheibe solle Behind the Tears heißen. Im Herbst solle sie erscheinen. Oder im Frühjahr. Oder doch erst im Herbst drauf? Die Lenze zogen ins Land, es erschien eine außerplanmäßige Keller-CD nach der nächten (Two Faces mit zwei langen Titeln, Masquerade, die Musik für den Traumzirkus, EM-Weihnacht), begleitet von unzähligen Veröffentlichungen des Duos Keller/Schönwälder. Aber Behind the Tears? Würde sie überhaupt je erscheinen?

Nimwegen, 9. Oktober 1999, E-Live-Festival. "Detlef, Detlef, ich habe da ein Gerücht gehört! Behind the Tears soll erschienen sein!?". Und die Antwort, mit der kaum jemand noch ernsthaft gerechnet hatte: "Ja, sie liegt am Stand!". Wow.

Nun ja, vielleicht habe ich etwas übertrieben, aber die Entstehungszeit dieser neuen, immer wieder aufgeschobenen Keller-CD beträgt doch stolze zwei Jahre. Viel Material stammt wohl aus der Zeit von Ways to the Rainbow, so daß das neueste Werk des Duisburgers wohl am ehesten auch mit dieser Vorvorvorgänger-CD zu vergleichen ist. Die Titel sind wieder einmal durchnumeriert von Tear 1 bis Tear 8.
Tear 1 zeigt dann auch gleich, wo's lang geht. Ein paar Flächen, ein paar stöhnende Synthis zur Eröffnung. Eine einfache, aber sehr einprägsame Melodie, Marke Ohrwurm. Im Laufe der nächsten 13 1/2 Minuten baut sich der Titel immer mehr auf, Sequenzen setzen ein, die Musik gewinnt an Fahrt.
Die kalte Dusche gibt's dann aber gleich in Form von Tear 2, die flüssiger ist als jede andere Träne - überflüssig. Ein Kinderlied, bei dem man vor lauter Zucker Zahnschmerzen bekommt. Aber nach dem kurzen, Gott sei Dank nur 3:42 langen Aussetzer geht's wie gewohnt weiter.
Tear 6 bringt es auf stolze 21:58 Minuten: Ein zunächst ruhig, relaxt dahinplätschernder Titel, zu dem Aracunum die Gitarre spielt. Kurz vorm Eindösen, so nach etwa 10 Minuten geht dann aber doch auf einmal die Post ab, Hektik kommt auf, Arcum greift heftiger in die Saiten, und hey, es wird richtig gut. Schließlich klingt der Titel aber wieder so ruhig aus, wie er begonnen hat.
Tear 8 schließlich das "Grand Finale" - das stellenweise unweigerlich an einen in Amsterdam lebenden Briten erinnert, der gerade eine ganze CD unter diesem Titel veröffentlicht hat. Breiter Orgelsound, zum Schluß gar Piano. Aber dennoch: Ein gewaltiger, beeindruckender Abschluß.

Mit Behind the Tears bietet Detlef Keller wieder einmal einige Leckerbissen für Freunde melodischer, eingängiger tradioneller Elektronischer Musik. Die Titel sind nicht die ganz großen Knaller, aber mir gefällt's.